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politischer Kommentar

Ingenieur – Import begeistert nicht alle.

Lobby fordert verstärkte Nachqualifizierung von Arbeitslosen und mehr Technik im Schulunterricht.

Im Kampf gegen den Fachkräftemangel setzt die Bundesregierung vorrangig auf deutsche Arbeitskräfte. Die Qualifizierung im Inland habe Vorrang vor dem Zuzug ausländischer Spitzenkräfte, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag in Berlin. Trotzdem habe man sich bei der Kabinettsklausur in Meseberg auf einen erleichterten Zugang für Maschinenbau- und Elektroingenieure aus den zwölf neuen Staaten der Europäischen Union (EU) verständigt.

Im Kraftwerksbau holen viele Unternehmen Rentner zurück

Die Qualifizierung arbeitsloser Ingenieure und die Förderung des ingenieur-Nachwuchses an deutschen Schulen und Hochschulen muss dringend verstärkt werden. Dafür plädiert der Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Der Vorstoß der großen Koalition, den Zuzug von Ingenieuren in den hierzulande vom Mangel besonders betroffenen Branchen so schnell als möglich zu erleichtern, weise in die richtige Richtung. Er könne das Problem allein aber nicht lösen, sagte Sascha Hermann, Geschäftsführer des VDI der FR.

Im vergangenen Jahr seien knapp 3000 ausländische Hochschulabsolventen zum Arbeiten nach Deutschland gekommen, schätzungsweise die Hälfte davon waren Ingenieure. "Wenn es künftig doppelt so viele sein sollten, wäre das schon viel, aber der akute Bedarf wird damit nicht gedeckt", gibt Hermann zu bedenken. Derzeit seien 24000 Ingenieurstellen nicht besetzt, vor allem im Maschinenbau und in der Elektrotechnik.

"Es muss sich in den Köpfen etwas ändern", sagte der Arbeitsmarkt-Experte im VDI. Noch zu selten stellten Firmen ältere Ingenieure ein. Ende Juli hatten rund 22500 Ingenieure keinen Job, rund eine Million waren in Lohn und Brot. Dabei sei Erfahrung gefragt. Im Kraftwerksbau etwa gehen laut Hermann Firmen dazu über, Rentner wieder zurückzuholen.

Viel mehr muss aus Sicht von Hermann getan werden, um Frauen für technische Berufe zu gewinnen. Ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, sollte ein vorrangiges politisches Ziel sein. Vieles liege zudem in der Schulbildung im Argen. in anderen Ländern sei Technik ein zentrales Unterrichtsfach. "Und die haben auch mehr Ingenieure." Hierzulande kamen 2005 knapp 40 000 Ingenieure von den Hochschulen auf den Arbeitsmarkt, fast 14 600 davon aus den Fächern Maschinenbau und Elektrotechnik.

Lob erntete die Koalition vom Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbaus (VDMA) für die jüngsten Beschlüsse. Der Zuzug dringend benötigter Fachkräfte sei "äußerst wichtig für unsere Zukunftssicherung", sagt Bernhard Diegener, Leiter der ZVEI-Abteilung Forschung und Bildung. Die Möglichkeiten, arbeitslose Ingenieure in Deutschland nachzuqualifizieren, seien sehr begrenzt, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse der FR. Beide Lobbyisten sind der Ansicht, dass Ingenieure vor allem in Osteuropa ohne Probleme zu finden seien. Das Niveau der Technischen Hochschulen dort sei sehr hoch. Neben Englisch seien viele Ingenieure auch des Deutschen mächtig. Dem Vernehmen nach prüft die Bundesregierung ein Punktesystem für die Qualifikation der anzuwerbenden Kräfte.

85 000 Euro Mindestverdienst halten Kritiker für realitätsfern

Die von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) vorgeschlagene Mindestverdienstgrenze auf 60 000 Euro zu senken ist aus Sicht von ZVEI und VDMA jedoch dringend erforderlich. Das völlig realitätsferne Limit von bislang 85 000 Euro Jahresgehalt sei ein wesentlicher Grund, dass Aktionen gegen Fachkräftemangel der früheren Bundesregierung (Greencard) gescheitert seien.

Falsch finden Diegener und Hermann, dass die Bundesregierung ausländischen Absolventen an hiesigen Hochschulen zwar den Einstieg ins deutsche Berufsleben ermögliche, aber ihren Aufenthalt auf drei Jahre beschränken wolle. Dies müsse dringend korrigiert werden.

Von Christine Skowronowski


Quelle: Frankfurter Rundschau, 25.08.2007, Seite 4 Politik



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geschrieben von Christine Skowronowski am 14.10.2008 um 11:30 Uhr.


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