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Lausige Zeiten.

Besonders Kinder fangen sich rasch Kopfläuse ein.

Lausige Zeiten.Lea stampft mit dem Fuß auf. „Mama, das juckt nicht, das beißt“, sagt sie und wuschelt verzweifelt mit beiden Händen durch die Haare. Jetzt langsam dämmert Mutter Sabine Käfer, dass sich möglicherweise unerwünschte Besucher auf Leas Kopfhaut eingenistet haben.

Doch trotz intensiver Suche mit einer Lupe kann Sabine Käfer nichts finden. Erst der Besuch beim Kinderarzt fördert ein Tierchen ans Tageslicht: Lea hat Kopfläuse. Das war vor zwei Jahren und nur der Anfang. "Wir bekamen eine kleine Epidemie an der Schule, alle zwei, drei Wochen bekam ich eine neue Benachrichtigung, dass Läusebefall vorhanden sei", berichtet Sabine Käfer.

Die Tierchen gehen nicht auf Haustiere über, sie leben nur von Menschenblut.

Vor allem ärgert sie sich über die Scheu von Eltern, deren Kinder betroffen sind, die Schule sofort zu informieren. "So wird es doch ungebremst weitergegeben." Kein Verständnis hat Sabine Käfer auch dafür, dass sich das Gesundheitsamt jetzt nicht mehr wie früher um Läuse-Befall kümmert. Die Eltern müssten selbst herausfinden, welche Mittel gut wirksam seien.

Ausgewachsene Laus-Weibchen legen Eier und kleben diese direkt über der Kopfhaut an die Haare (Nissen). Nach sieben bis zehn Tagen schlüpft eine Larve, die sich innerhalb einer Woche durch zweiweitere Stadien zur erwachsenen.

Laus häutet. Eine erwachsene Laus ist etwa so groß wie ein Sesamkorn. Sobald die Weibchen befruchtet sind, legen sie bis zu 300 Eier. Nach einem Monat sterben die Weibchen ab. Die kleineren Männchen haben nur eine Lebenserwartung von zwei bis drei Wochen.
Kopfläuse gehen nicht auf Haustiere über, sie können sich ausschließlich von Menschenblut ernähren. Dazu öffnen sie alle drei Stunden die Kopfhaut mit ihrem Stech-Saugrüssel. Ohne blutige Mahlzeiten sterben Kopfläuse nach spätestens drei Tagen ab.

Die Behandlung der Haare reicht nach Ansicht der Deutschen Pediculosis Gesellschaft üblicherweise aus. Eine Übertragung auf Kuscheltiere oder Mützen sei eher unwahrscheinlich, da die Tiere ihren Wirt nicht verlassen. Möglich sei allerdings, dass sich Läuse in Kämmen oder Bürsten verfangen. diese sollten deshalb bei einem möglichem Befall nicht von mehreren Personen benutzt werden.

Getestet werden die Mittel gegen Läuse in einem schlichten Neubau in Berlin-Dahlem, im Volksmund" Schabenbunker" genannt. Hier arbeitet Birgit Habedank mit einem Heer von Krabbeltieren. Die Zoologin ist beim Umweltbundesamt die Leiterin des Labors "Wirksamkeitsprüfung von Mitteln gegen Gliedertiere". Sie testet all jene

Stoffe, die uns die lästigen Mücken, Schaben, Zecken, Flöhe und Läuse vom Hals halten sollen. ‘Kopfläuse sind kein Problem der Hygiene", betont Birgit Habedank. "Wenn Sie sich täglich die Haare waschen, dann bekommen Sie nur saubere Läuse - weg sind die dadurch nicht." Und die Tierchen sind anhänglich. Läuse haben drei Beinpaare mit Klauen, die genau auf den Durchmesser des menschlichen Haares abgestimmt sind. "Damit können sie die Haare gut umklammern und sich leicht von Haar zu Haar hangeln", erläutert Birgit Habedank.

Und weil Kinder oft die Köpfe zusammenstecken und auch gerne mal bei Klassenkameraden übernachten, wandern Läuse munter von einem Kopf zum nächsten, weiß die Stuttgarter Professorin Brigitte Frank von der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie. "Panik ist nicht nötig", lautet ihr Rat an die betroffenen Eltern. "Denn im Gegensatz zu den eher seltenen Kleiderläusen übertragen Kopfläuse kaum Krankheiten."

Damit die Blutmahlzeit flüssig bleibt, wird Speichel injiziert - und das juckt Allerdings könnten sich durch das Kratzen Entzündungen auf der Kopfhaut bilden. "Wie bei allen blutsaugenden Insekten müssen auch Kopfläuse Speichel injizieren, damit das Blut flüssig bleibt und das juckt", erläutert die Parasitologin. Aber auch dieses Problem werde durch die vorhandenen guten Mittel beseitigt.

Anerkannte Mittel gegen Kopfläuse beruhen auf pflanzlichen Wirkstoffen und ihren Abkömmlingen. So wurde schon im Altertum das "persische Insektenpulver" verwendet. Hauptwirkstoff darin ist Pyrethrum, das aus Chrysanthemen-Blüten gewonnen wird. Pyrethrum ist etwa enthalten in Goldgeist forte.

Von Pyrethrum chemisch abgeleitet ist Permethrin, das in InfectoPedicul enthalten ist. Laut Stiftung Warentest das geeignetste Mittel.

Der Wirkstoff Allethrin (Jacutin, Spregal) wurde ebenfalls aus Inhaltsstoffen der Chrysanthemenblüte entwickelt.

Von Präparaten in Sprayform. rät die Stiftung Warentest ab, weil die Inhaltsstoffe Asthmaanfälle auslösen können.

Alternativ sind Medizinprodukte auf der Basis von Kokosölderivaten und Sojaöl (Mosquito) und Silikonöl (Nyda L, EtoPril) auf dem Markt. Nach Angaben des Bundesumweltamtes haben sie eine auffallend schnell abtötende Wirkung auf die Läuse. Allerdings muss sehr sorgfältig gearbeitet werden und die Haare müssen gut durchtränkt werden. Da die Eier (Nissen) davon nicht beeinflusst werden, muss auf jeden Fall nach acht und zehn Tagen erneut behandelt werden. Dadurch werden neue geschlüpfte Läuse noch vor der Geschlechtsreife abgetötet.

Vom Markt genommen werden zum Jahresende Mittel auf der Basis des Insektizids Lindan. Das wirke zwar sehr gut gegen Läuse, erläutert Professor Eberhard Schein, Direktor am Institut für Parasitologie der FU Berlin. "Aber es ist trotzdem richtig, das jetzt zu verbieten", sagt er. Lindan bleibe sehr lange in der Umwelt, reichere sich in der Nahrungskette an und stehe in Verdacht, verschiedene Krankheiten auszulösen.

Fest im Griff: Die Klauen der Kopfläuse sind genau auf den Durchmesser des menschlichen Haares abgestimmt.

Von Karl-Heinz Karisch




Quelle: Frankfurter Rundschau, 17.11.2007, Seite 12 Wissen & Bildung



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geschrieben von Karl-Heinz Karisch am 12.10.2008 um 11:00 Uhr.


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