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Wohnen & Leben
Von der Wohnung zum Lebensraum
Wie aus gesichtslosen Räumen eine Landhausoase wurde: house and more besuchte vor den Toren Hamburgs ein Paar, das - mit ein wenig Hilfe - sein komplettes Zuhause selbst umgestaltete.
Als Tanja und Markus Bertold das Haus vor den Toren Hamburgs zum ersten Mal besichtigten, gefiel es ihnen sofort. Besonders das idyllische, zwei Hektar große Grundstück hatte es ihnen angetan. Und aus den stark verwohnten Räumen, so fanden sie, würde man durchaus etwas machen können.
Also pachteten sie den teilweise 100 Jahre alten, ursprünglich landwirtschaftlich genutzten Hof mit Scheune, Wohndiele und Tierställen - und versuchten die Eigentümer davon zu überzeugen, dass es möglich sein würde, die Räumlichkeiten mit ein wenig fachlicher Hilfe und viel Eigenarbeit maßgeblich zu verschönern. Und tatsächlich konnten sie schon bald damit beginnen, ihren Traum zu verwirklichen.
Doch bevor sich die Bertolds an die Einrichtung machen konnten, waren zunächst ein paar Sanierungsarbeiten vonnöten. Erstens: Es musste eine adäquate Dämmung der Innenwände her. Zweitens: Der in die Jahre gekommene Linoleumfußboden sollte durch ein schönes Parkett ersetzt werden. Und drittens wollten die Bertolds neue Fenster und Türen einsetzen lassen, da die alten schon lange nicht mehr dem aktuellen Standard entsprachen.
Um die Dämmumg vornehmen zu können, musste das Paar zunächst die alten Holzverkleidungen an den Wänden entfernen. Außerdem galt es, für die neuen Fenster und die Tür an der Außenwand eine Maueröffnung zu vergrößern. Und um den Schlafbereich zu erweitern, rissen die beiden eine gemauerte Wand ein, hinter der sich ein kleiner Abstellraum verbarg.
Nachdem die Fenster und die Terrassentür erneuert wurden, konnten sich Tanja und Markus Bertold an die Dämmung machen. Hierfür errichteten sie zunächst ein Holzständerwerk. Dieses wurde an Decke und Boden mit Abstand zu den Wänden befestigt. Zwischen die einzelnen Ständer klemmten sie dann den Dämmstoff, ehe sie eine über die gesamte Wandfläche reichende atmungsaktive Dampfsperre anbrachten, auf der sie wiederum Gipsfaserplatten befestigten. Anschließend füllten sie die Fugen mit Spachtelmasse. Besonders schön gestaltete das Paar die Wandseite der Schlafecke: Sie wurde mit weiß lasierten Profilhölzern beplankt, die auf das Ständerwerk getackert wurden.
Im nächsten Schritt machten sich die patenten Heimwerker an das Streichen der neuen Wände. Die neue De-cke aus Hobeldielen und die alten, dunklen Sichtholzbalken strichen sie mit weißer Wachslasur, da es ihnen wichtig war, die Räume so hell wie möglich zu halten und dennoch einen typischen Landhauscharakter zu erzeugen.
Die Platten wurden dann mit einem dezenten cremefarbenen Anstrich versehen, für den das Paar eine Wand- und Deckenfarbe verwendete, die auch bei Kunstlicht die Raumluft reinigt (StoClimasan Color, nur über den Fachhandel erhältlich); während lichtaktive Prozesse meist von ultravioletter Strahlung abhängig sind, kann diese Farbe schon im Schein einer Glühbirne Gerüche und Schadstoffe zu geruchsneutralen und unschädlichen Substanzen abbauen. Das Wirkungsprinzip dieses innovativen Produkts ist mit der Photosynthese bei Pflanzen oder der Abgasreinigung durch den Katalysator beim Auto vergleichbar.
Bevor schließlich der neue Fußboden verlegt werden konnte, stand für die Bertolds noch ein besonderes Projekt an: die Konstruktion eines Dekoschornsteins. Als Grundgerüst diente hier erneut ein beplanktes Holzständerwerk. Auf die Wandfläche wurden mit Fliesenkleber Verblendersteine aus Leichtbeton geklebt. Diese ergeben einen tollen Effekt, da sie echt wirken und sich auch so anfühlen, und sie sind extrem leicht anzubringen.
Für das Verlegen des neuen Holzfußbodens mussten die Bertolds allerdings auf die Hilfe eines Fachmanns zurückgreifen. Ausgesucht hatten sie sich die zu den Wänden passende "Landhausdiele Eiche weiß geölt" (Boen Parkett Deutschland, nur über den Fachhandel erhältlich). Das in einem speziellen Verfahren mit einem UV-Öl behandelte Parkett ist frei von Emissionen und besonders für Allergiker geeignet. Zudem wird das Arbeiten des Holzes bei diesen dreischichtigen Böden mit sehr präzisen und stabilen Nut-Feder-Verbindungen durch den genau dimensionierten Aufbau von Unterlage, Mittellage und Deckschicht auf ein Minimum reduziert.
Als schließlich auch noch die neuen Heizkörper montiert worden waren, hatte das Renovierungsprojekt bereits richtig Gestalt angenommen. Nun konnten sich die Bertolds auch endlich an das Dekor der Räume machen. Für das Interieur wählten sie Möbel in Landhausstiloptik, die sie mit modernen Elementen kombinierten. Die Küche wurde sehr offen gestaltet, der Wohnbereich mit Korbmöbeln und Holzbalken wirkt sehr gemütlich, und die in weiß gehaltene Schlafecke strahlt Freundlichkeit aus. Besonders geschickt wurden hier drei schmale Schränke als Raumtrenner eingesetzt.
Mit dem Ergebnis sind die Bertolds sehr zufrieden. Aus ihrer gesichtslosen Wohnung mit veralteten Möbeln ist ein stilvoller, einladender Raum zum Leben geworden.
DIE SECHS WICHTIGSTEN ARBEITSSCHRITTE IN KÜRZE ERKLÄRT
Innenwanddämmung
Für die Vorwandschale fertigt man ein Holzständerwerk an. Dafür werden mit der Kapp- und Gehrungssäge Boden-, Wand-und Deckenschienen (Finnforest) zugeschnitten, die dann mit Dämmstreifen beklebt werden. Zuerst wird die Bodenschiene angeschraubt. Für eine Hinterlüftung sollte der Abstand zur Außenwand mindestens zehn Millimeter betragen. Die Wandschienen mit der Wasserwaage ausrichten und dann anschrauben. Mit einer Schlagschnur den Verlauf der Deckenschiene anzeichnen und diese anschrauben. Mit Klammern werden die Zwischenstiele eingesetzt
Beplankung der Vorwand
Nachdem man eine atmungsaktive Dampfsperre angebracht hat, wird die Wand mit Gipsfaserplatten (Fermacell) beplankt. Bei großen Flächen ist ein Drucklufttacker (Rapid) zu empfehlen
Beplankung Bettkopfteil
Die Wandseite hinter dem Bettkopfteil wird mit weiß lasierten Profilhölzern beplankt, die direkt (ohne Krallen) auf das Ständerwerk getackert werden. Hierfür kann ein Elektrotacker (Novus) verwendet werden
Wandgestaltung
Um lästige Abklebearbeiten zu vermeiden, werden die Wände vor der Bodenverlegung gestrichen. Zunächst werden sie grundiert, damit die Spachtelfugen und die Plattenoberfläche sich nicht in der Saugfähigkeit unterscheiden. Dann werden die Oberflächen mit einer Farbe gestaltet, die bereits bei Kunstlicht die Raumluft reinigt
Dekoschornstein
Das Grundgerüst für den Dekoschornstein wird ebenfalls aus dem Holzständerwerk gebaut. Wenn das Gerüst beplankt worden ist, bringt man mit Fliesenkleber die Verblendersteine (Gewena stone design) aus Leichtbeton an. Wichtig: Ab einer Höhe von zwei Metern muss man zuerst ein Kunststoffnetz mit Fliesenkleber aufziehen und dann die Steine mit Kleber versehen und an die Wand pressen
Tritt- und Raumschalldämmung
Bevor der Fachmann den neuen Parkettboden schwimmend verlegt, wird über dem alten, noch festen Linoleumbelag eine Dampfsperre und Trittschalldämmung (Röthel) ausgelegt
Quelle: http://www.houseandmore.de/
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geschrieben am 02.06.2009 um 22:30 Uhr.

