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Wohnen & Leben
Ein 100 Jahre alter Stall in einem Kölner Vorort wurde zum Landhaus mit Loftcharakter.
Als wir die Scheune zum ersten Mal anschauten, brauchten wir schon eine gewaltige Portion Phantasie, um uns vorzustellen, wie es hier einmal aussehen könnte", erinnert sich Martina Gladbach. Ihr Lebensgefährte Herbert Adler schreitet durch die riesige Wohnküche und ergänzt: "Hier standen die Kühe, dort unter der Küche war das Futtersilo, und wo jetzt die Betontreppe beginnt, führte eine Holzleiter zum Heuboden." Das ist noch gar nicht so lange her. Gerade mal 14 Monate.
Martina Gladbach und Herbert Adler waren schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem Häuschen im Grünen für sich und ihre beiden Söhne Tom (4) und Charly (2). Die Altbauwohnung im liebenswerten Kölner Stadtteil Ehrenfeld war zwar schön gelegen und gut geschnitten, auf Dauer für vier Personen aber doch ein bisschen eng: "Zwei kleine Jungs, dritter Stock, kein Fahrstuhl, kein Parkplatz - da wurden die Einkaufstüten mitunter ganz schön schwer." Außerdem sollte es etwas Eigenes werden. Bei einer ihrer zahlreichen samstäglichen Immobilien-Exkursionen im Herbst 2005 standen die beiden dann 25 Kilometer südwestlich von Köln in einem Kuhstall in der Gemeinde Erftstadt und sagten: "Hier möchten wir leben!"
Landhaus mit Loftcharakter, Mischung aus klassisch und modern, lackierter Betonboden als Kontrast zur Patina alter Backsteine - das waren die ersten Ideen und Vorstellungen, die der Architekt Stephan Otto bei seinen Planungen berücksichtigen sollte. Die erste Aufgabe des Ingenieurs war es allerdings, die Substanz des 100 Jahre alten Gebäudes zu überprüfen und festzustellen, welche Teile erneuert werden müssen. Die alten Wände und Balken waren im Prinzip noch in guter Verfassung, allerdings erfüllt ein landwirtschaftliches Gebäude von 1904 kaum die Dämmvorgaben des Jahres 2006.
Das größte Problem war das Dachgeschoss, der ehemalige Heuboden: null Isolierung und viel zu dunkel. Die alten Schindeln wurden entfernt. Eine moderne Aufdachdämmung wurde auf den Dachstuhl aufgebracht, und es wurden neue Ziegel verlegt. Die schönen alten Balken blieben im Raum sichtbar und wurden weiß lackiert. Für ausreichendes Tageslicht sorgen nun 14 über das gesamte Dach verteilte Velux-Fenster. Das Besondere an den teilweise in fünf Metern Deckenhöhe eingebauten Fenstern: Sie sind alle via Fernbedienung zu betätigen. Die in den Kippfenstern integrierten Rollos lassen sich ebenfalls per Knopfdruck in die gewünschte Position bringen.
Auch an der Fassade entstanden neue Fenster: Alte Fenster und Türen wurden durch moderne Holz- und Metallkonstruktionen ersetzt. Die geradlinigen grauen Rahmen harmonieren gut mit dem alten Backsteinbau. Im Innenbereich wurde der Putz entfernt, und die Ziegel wurden gesandstrahlt und neu verfugt. In den Wohnbereichen des Hauses entschied man sich für dunkles Eichenparkett.
Das Haus steckt voller interessanter Details und Lösungen. Zwei Highlights stechen besonders hervor. Erstens: die Küche. Mittelpunkt ist eine große Kochinsel mit modernem Gasherd und einer gigantischen, glänzenden Abzugshaube. Vor der Kochinsel schaut man durch ein begehbares Fenster im Boden in den darunter liegenden Weinkeller. Zweiter Höhepunkt: der Elternbereich im Obergeschoss. Schlaf- und Badezimmer fließen hier ineinander. Beim Bad kann man eigentlich schon von einem kleinen Wellnessbereich sprechen. Tägliche Freude bereitet auch der großzügig bemessene Ankleideraum.
Trotz der Extravaganzen und der verwendeten Markenprodukte (zum Beispiel Duravit-Sanitärobjekte, Steinberg-Armaturen) hielten sich die Kosten in Grenzen. "Inklusive aller Kauf- und Restaurierungskosten liegen wir bei einem Quadratmeterpreis von knapp 1.400 Euro", rechnet Herbert Adler vor. Auch mit den Behörden und den Handwerkern gab es keine bösen Überraschungen: "Alles ging planmäßig über die Bühne: Vom Kauf bis zum Einzug sind nicht einmal 14 Monate vergangen." In diesem Frühjahr will die junge Familie das nächste Großprojekt in Angriff nehmen: den Garten.
HEIZUNG & DÄMMUNG
Ein alter Stall lässt sich kaum in ein Energiesparhaus verwandeln. Aber dank moderner Dämmmaterialien auf dem Dach und eines innovativen Wärmesystems bleiben die Heizkosten überschaubar
Heizen mit Erdwäme
Der Energieberater Ralf Herrmann empfahl den Bauherren eine neuartige Erdwärmeanlage, bei der die Heizschläuche in einer Tiefe von nur 80 Zentimetern verlegt werden. Außerdem wird für die Schläuche lediglich eine Außenfläche benötigt, die etwa so groß ist wie die nachher im Haus beheizte Fläche. Eine solche Anlage ist nur in Kombination mit einer Fußbodenheizung sinnvoll.
Aufdachdämmung
Drei Argumente sprachen für eine Aufdachdämmung:
Bei der Aufdachdämmung bleiben die Dachbalken im Hausinneren wie gewünscht sichtbar.
Die Dachdämmung liegt nicht zwischen, sondern auf den Balken. Sie bildet also eine große Fläche ohne Kältebrücken.
Moderne Dämmplatten (zum Beispiel von Bauder) vereinen eine wasserdichte Folie mit Dämmmaterial und Gipskarton.
Quelle: http://www.houseandmore.de/
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geschrieben am 03.06.2009 um 09:00 Uhr.

