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Wohnen & Leben
Mit dem Umbau einer unscheinbaren Doppelhaushälfte hat die Familie Kreczy ein Refugium geschaffen, in dem Design, Geräumigkeit und Energiespartechnik auf gelungene Weise vereint sind.
Entweder man hat sie, oder man hat sie nicht: die Gabe, Dinge so zu sehen, wie sie sein könnten. Räumliches Vorstellungsvermögen. Peter Fink besitzt diese Fähigkeit und hat sie zum Beruf gemacht. Als der Architekt die gewöhnliche Doppelhaushälfte aus den 1970er Jahren das erste Mal sah, schoss ihm sofort eine Idee in den Kopf: "Das vorhandene asymmetrische Dach des Gebäudes habe ich einfach ergänzt und in seiner Grundform vervollständigt."
Damit hat er genau das zu Papier gebracht, was sich die Bauherren Heike und Martin Kreczy erhofft hatten. "Wir wollten auf gar keinen Fall nur eine renovierte Standard-Doppelhaushälfte", erzählt Martin Kreczy, "sondern eine radikale Modernisierung und Erweiterung. Außen wie innen."Das Wort "radikal" trifft es eigentlich schon ganz gut. Denn das Einzige, was von dem alten, renovierungsbedürftigen Gebäude nach dem Umbau übrig geblieben ist, sind die tragenden Außen- und Innenwände. Aber der Reihe nach.
Im Sommer 2004 fiel die Entscheidung: Die Doppelhaushälfte mit dem schön eingewachsenen Garten in München sollte das neue Zuhause für das Ehepaar Kreczy und seine beiden Kinder Paulina (5) und Jakob (3) sein. "Das Gebäude war in einem schlechten Zustand", sagt der Bauherr, "aber das störte uns nicht so sehr, da wir ohnehin viel selbst machen wollten." Das handwerkliche Geschick liegt schließlich in der Familie. Der 37-jährige Kreczy ist Chef einer Haustechnikfirma, und sein Schwiegervater Helmut Seitter führt ein Fensterbauunternehmen in Sindelfingen bei Stuttgart.
In nur zwei Monaten war die Baugenehmigung da - "die schnellste Genehmigung, die in meiner Karriere je erteilt wurde", so Architekt Fink. Das ist umso ungewöhnlicher, als es sich um eine unkonventionelle Konstruktion handelt, die in der Wohngegend völlig heraussticht. Sogar die Nachbarn mussten dem Vorhaben zustimmen. "Weder ich noch die Nachbarn konnten sich anhand der Zeichnungen vorstellen, wie das Haus einmal aussehen würde", erinnert sich der Familienvater. Dann ging es los. "Mein Vater, der 75 Jahre alt ist, hat mitgeholfen und bei den Abrissarbeiten den Vorschlaghammer geschwungen", erzählt der Bauherr.
Aus den zwei Wohnungen innerhalb der Doppelhaushälfte musste eine Einheit werden. Das alte Treppenhaus wurde in die Hausmitte versetzt und das Dach an der Südseite durch eine schräge Glasfassade vom ehemaligen Balkon im ersten Stock bis zum Erdgeschoss verlängert. Zudem zieren es jetzt Solarzellen, die der Form der Dachflächenfenster entsprechen. Die nördliche Gebäudeseite wurde um einen Glasanbau erweitert. Und schließlich erhielten die Fassade sowie das Dach durch pflegearmes und witterungsbeständiges Lärchenholz ein neues Gesicht. Für die aufwendigen Glasarbeiten war Martin Kreczys Schwiegervater, der Fensterbauer, zuständig. Die großzügigen Fensterflächen, die aus einem Spezialisolierglas bestehen, sorgen für viel Licht und Wärme. Im Sommer reflektieren sie die Wärmestrahlung, während sie im Winter sehr gut isolieren. Vor der Sommerhitze schützen die einstellbaren Außenlamellen.
Im Laufe der Umgestaltung sprachen die Nachbarn nur von "dem Schiff". "Ein bisschen sieht es ja aus wie ein Schiffsbug", sagt Martin Kreczy, "am Anfang standen die Leute mit offenem Mund da und haben sich unser Haus angeschaut. Einer wäre fast vom Fahrrad gefallen." Jetzt aber hätten sich die meisten daran gewöhnt.
In dem nach etwa zehn Monaten fertiggestellten Designbau aus Glas und Holz verbirgt sich Energiespartechnik vom Feinsten; auch der Einbau der Lüftungsanlage des Schweizer Herstellers Hoval lässt den Energieverbrauch sinken. Der Clou dieser Anlage besteht jedoch nicht nur darin, dass sie für frische und gefilterte Luft in allen Räumen sorgt und Wärme, die sonst durch Fensterlüftung verloren ginge, wieder an die Zuluft abführt; die Zuluft wird hier im Unterschied zu anderen Systemen sogar noch befeuchtet, so dass ein angenehmes Wohnklima entsteht und es im Winter gar nicht erst zu trockener Raumluft kommt.
"Weniger Staub haben wir auch", freut sich Martin Kreczy. Damit das System überhaupt funktionieren kann, musste das Gebäude absolut luftdicht gemacht werden. "Die unauffällige Integration der 19 Zu- und Abluftrohre in die bestehende Architektur war eine Herausforderung", berichtet der Haustechnikexperte. Alles versank in den Mauerschlitzen und zwei neuen Installationsschächten.
Seit März 2005 lebt die Familie in ihrem neuen Haus - und hin und wieder passiert es, dass ein Schaulustiger staunend davor stehen bleibt.
Quelle: http://www.houseandmore.de/
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geschrieben am 03.06.2009 um 11:00 Uhr.

