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Wohnen & Leben

Sparen mit gutem Stil

Großzügig, offen und mit viel Glas – so stellten sich Monika und Volker Schneider ihr zukünftiges Haus am Rande eines Neubaugebiets im Taunusstädtchen Niddatal vor.

Sparen mit gutem StilAls sie in einer Zeitschrift ein Foto vom Wohnhaus des Architektenpaares Marion Boch und Peter Keller entdeckten, wussten sie: Das ist der Stil, der auch uns gefällt! Einfache, klare Formen sind das Markenzeichen von Boch und Keller. „Modern, aber nicht modisch“, so beschreibt Marion Boch diesen Baustil. Eine Architektur, die „über die Jahre Bestand hat“. Ein solches Haus entwarfen die Darmstädter Architekten dann auch für das Ehepaar Schneider. Und beweisen damit eindrucksvoll, dass diese Art geradliniger Architektur die beste Voraussetzung für kostengünstiges Bauen ist.
Die Grundform ist schlicht und rechteckig, lediglich ein kleiner, einstöckiger Vorbau rückt aus der Reihe. Nach drei Seiten zeigt sich der Bau mit dem flach geneigten Satteldach mit Betonsteindeckung relativ geschlossen; nach Norden sind nur wenige schmale Fenster eingebaut. Ein ganz anderes Gesicht zeigt das Haus dann nach Südwesten: Hier öffnet es sich mit großen Fensterflächen, die fast die gesamte zweistöckige Fassade einnehmen. Nur im Bereich eines Schlafzimmers und eines Badezimmers im Obergeschoss ist die Glasfront durch helle Holzdekorelemente unterbrochen. So ist die Sonnenseite des Hauses von Licht durchflutet und gibt einen schönen Ausblick auf den Feldberg frei.

Eine großformatige Schiebetür trennt die Terrasse vom Erdgeschoss, in dem Wohn- und Essbereich sowie Küche ineinander übergehen. Diese offene Struktur war den Schneiders wichtig, ebenso wie der Luftraum in der Mitte darüber. Eine Treppenkonstruktion aus Stahl mit Massivholzstufen verbindet den Wohnbereich mit der darüberliegenden Galerie. Im Obergeschoss befinden sich zwei Schlafzimmer, jedes mit eigenem Bad, sowie ein zum begehbaren Kleiderschrank ausgebauter Ankleideraum. Vom offenen Wohnbereich abgetrennt gibt es im Erdgeschoss noch einen weiteren Wohnraum sowie ein Badezimmer. Derzeit nutzen die Schneiders das Zimmer im „Vorbau“ als Arbeitsraum. Weil dieser Teil des Hauses aber auch separat über den seitlichen Hauseingang und den Windfang zugänglich ist, würde er sich als kleine, eigene Wohneinheit, zum Beispiel für ein Elternteil, eignen.
Architekt Peter Keller erklärt am Beispiel, wie Bauform und Kostenersparnis zusammenhängen: „Weil die Außenmaße des Hauses nicht besonders groß sind, konnten vorgefertigte Spannbeton-Hohlkörperelemente für die Zwischendecken verwendet werden.“ Die Kellerdecke wurde bei einer Breite von sechs Metern in einem Stück von Außenwand zu Außenwand gelegt. Die Erdgeschossdecke musste wegen des Luftraums in zwei Hälften unterteilt werden, zwischen denen die Holzbalkenkonstruktion der Galerie gespannt wurde.

Die Außenwände bestehen aus einer 30 Zentimeter dicken Hochlochziegelkonstruktion mit Leichtputz ohne weitere Dämmung. Die dadurch erreichten Dämmwerte entsprachen im Baujahr 2003 den Anforderungen der Energieeinsparverordnung. Heute, so der Architekt, würde man wegen gestiegener Standards entweder auf eine höhere Wanddichte – ca. 36 Zentimeter – gehen oder eine dünnere Massivwand plus Dämmschicht wählen. Aufgrund seiner Ausrichtung und Architektur – kaum Fenster nach Norden, Glas auf der Sonnenseite – weist das Haus dennoch eine günstige Energiebilanz auf.

Die große Fensterfront erwies sich, anders als man vielleicht vermuten würde, auch von der Kostenseite her als vorteilhaft. Marion Boch: „Große, feststehende Fensterflächen sind unterm Strich günstiger als kleine Einzelfenster.“ Bei den Rahmen entschieden sich die Schneiders für hochwertiges Meranti-Holz, eine Investition, die sich wegen der Langlebigkeit dieses Materials bezahlt machen dürfte. Kunststoffrahmen wären für die großflächigen Fenster ohnehin nicht infrage gekommen. Auch nicht billig war die Außenjalousieanlage. Die Kästen wurden in die Putzfassade eingebaut, was aufwendiger ist als eine Aufsatzlösung. Dafür aber konnte bei den kleineren Fenstern der anderen drei Seiten ganz auf Sonnenschutz verzichtet werden.

Den Keller wegzulassen, um Kosten zu sparen, stand für die Bauherren nicht zur Diskussion. Wegen schwieriger Bodenverhältnisse – ein stellenweise wenig tragfähiger Untergrund – wäre auch ohne Unterkellerung eine aufwändige Gründung nötig gewesen. Für das Ehepaar Schneider sprach aber auch der Platzgewinn für ein Untergeschoss: Neben einem Nutzkeller haben sie hier noch ein Gästezimmer eingerichtet. Nicht im Keller, sondern im Ankleideraum befindet sich die Heizungsanlage des Hauses in Form einer Gastherme. durch diese Heizungsart konnten die Kosten für einen Schornstein eingespart werden. Die Wärmeverteilung erfolgt über eine Fußbodenheizung.
So günstig sich die intelligenten architektonischen und konstruktiven Lösungen auswirkten – ein Baupreis von nur etwa 1.100 Euro pro Quadratmeter wäre nicht möglich gewesen, wenn Monika und Volker Schneider nicht beim Innenausbau kräftig selber Hand angelegt hätten. Sie spachtelten und strichen Innenwände aus Gipskarton, schlossen die Wand- Decken-Anschlüsse mit Acryl, verlegten Fliesen in den Badezimmern und Laminat in Wohnräumen.
Die Auswahl des Fußbodenmaterials ist übrigens die einzige Entscheidung ihres Hausbaus, die die Bauherren heute bereuen. Sie hatten sich für das Laminat entschieden, in der Annahme, es sei besonders strapazierfähig und kratzfest. Dies widerlegte die Schneidersche Hauskatze mit ihren Krallen dann gründlich. Aber einen Bodenbelag kann man schließlich auswechseln. In einem Haus, an dem sonst alles stimmt, lohnt sich das allemal.




Quelle: http://www.bauemotion.de


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geschrieben am 29.06.2009 um 10:00 Uhr.


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