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Wohnen & Leben

So lebt es sich im Passivhaus

Zusammen mit seiner Ehefrau und den drei Kindern testet er das Wohnen im neuen Passivhaus.

So lebt es sich im PassivhausWeiße Fassade, große Fensterfronten, modernes Design – was auf den ersten Blick wie ein klassischer Neubau wirkt, ist auf den zweiten viel mehr: ein Passivhaus. Seit rund 60 Jahren bauen die Stübers Häuser. Zusammen mit dem Architekten Dirk Schmalenbach hat der Bauingenieur Roland Stüber nun das erste Passivhaus des Familienunternehmens in Siebenmorgen im Westerwald errichtet. Das Musterhaus soll künftigen Bauherren zeigen, wie modern ein energiesparendes Gebäude aussehen kann.

„Ich wollte aber auch wissen, ob das Haus wirklich funktioniert und wie es sich anfühlt, in einem Passivhaus zu leben“, erklärt Stüber. Um das herauszufinden, half nur eines: Der Bauherr zog mit Frau und drei Kindern in den Neubau. Seit Dezember 2007 testet Familie Stüber nun das Vorzeigeobjekt. Auch wenn dies jetzt nicht mehr leer steht, ein Musterhaus ist es geblieben. „Die meisten Interessierten machen vorher einen Termin ab. Einige schauen aber auch so vorbei“, erzählt Stüber. Und wie ist es, wenn häufig Fremde das eigene Zuhause begutachten? „Die Besucher stören uns nicht“, sagt der Hausherr. „Das hat auch Vorteile. Bei uns ist so immer aufgeräumt. Denn man weiß ja nie, wann jemand vorbeikommt.“

Außerdem kann Stüber bei der Erklärung der Funktionsweise auch eigene Erfahrungen weitergeben. So bekommt jeder Besucher den persönlichen Testbericht gleich dazu. Er erfährt, dass einer der wichtigsten Faktoren eines Passivhauses die hoch gedämmte Gebäudehülle ist. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Neubauten hat ein Passivhaus kein aktives Heizsystem. Dennoch muss dort niemand frieren. Dafür bedarf es jedoch bestimmter Voraussetzungen. Damit über die Wände kaum Wärme verloren geht, bestehen diese aus mehreren Dämmschichten – hier misst die Außenwand 43 Zentimeter. Auch die Spezialfenster sind dreifach verglast und geben kaum Energie nach draußen ab.

Und wie entsteht nun die warme Luft? „Das Haus heizt sich durch die Bewohner und die elektrischen Geräte, die bei Gebrauch Wärme abgeben, sowie durch die Sonneneinstrahlung auf“, erklärt der Bauherr. Die Sonnenenergie lässt sich durch die besonders großen Fenster nutzen. Dadurch fällt in die Räume zudem viel natürliches Licht und es ist insgesamt sehr hell.

Aufgrund der guten Wärmedämmung haben die Wandflächen die gleiche Temperatur wie die Raumluft. „Das ist sehr angenehm“, berichtet Stüber. „19 Grad in einem Passivhaus entsprechen so etwa gefühlten 22 Grad.“ Ein Manko haben die Testbewohner jedoch auch entdeckt: „Alle Räume haben die gleiche Temperatur, das lässt sich nicht individuell regeln. Wer es im Schlafzimmer lieber etwas kühler hat, kann da wenig ausrichten.“

Dank der guten Isolierung bleibt die gewonnene Wärme lange erhalten. Dabei spielt die Lüftungsanlage eine wichtige Rolle. Sie sorgt dafür, dass frische Luft in alle Räume strömt und unangenehme Gerüche schnell verschwinden. Bad und Küche sind deshalb auf Entlüftung, die anderen Zimmer auf Belüftung eingestellt. Zudem ist die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgestattet und stellt so sicher, dass kaum Wärme beim Luftaustausch entweicht. „In dem Haus lässt es sich prima wohnen, ohne die Fenster zu öffnen. Es gibt immer eine konstante Frischluftzufuhr“, berichtet Stüber.
Das heißt nicht, dass die Bewohner die Fenster überhaupt nicht öffnen dürfen. „Im Sommer, wenn sich die Außen- von der Innentemperatur kaum unterscheidet, ist es kein Problem. Dann kann etwa die Terrassentür oder das Schlafzimmerfenster gerne offen bleiben“, sagt Stüber. „Im Winter hingegen wirkt sich ein offenes Fenster negativ auf die Energiebilanz aus. Denn dann muss die Luftwärmepumpe, die auch für die Warmwasserbereitung zuständig ist, über die Lüftungsanlage nachheizen.“ Und das kostet Strom.

Durch eingebaute Filter ist das geschlossene Lüftungssystem außerdem ideal für Allergiker. „Wer mit Pollen Probleme hat wie unser Jüngster, kann sich im Passivhaus prima regenerieren“, bestätigt der Familienvater. „Und es gibt wesentlich weniger Staubentwicklung. Das ist extrem putzfreundlich.“

Wer energiesparend wohnen möchte, muss beim Erwerb der eigenen vier Passivhauswände allerdings ein paar Euros mehr berappen. „Aufgrund der Spezialfenster und der aufwendigen Wärmedämmung kostet ein solches Haus bis zu 20 Prozent mehr als ein klassischer Neubau“, sagt Stüber. Nach seinen Berechnungen hat man diese Mehrausgabe in etwa zwölf Jahren durch die niedrigeren Energiekosten wieder raus. Für ihre knapp 200 Quadratmeter setzt die Familie 250 Euro Heizkosten im Jahr an. Das sind 1.250 Euro weniger, als ein Eigenheimbesitzer für ein sogenanntes Niedrigenergiehaus ausgeben muss.
Das Leben im Musterhaus in Hanglage bedeutet für die Familie Stüber vor allem eines: Wohnqualität. Das Fazit des Bauingeneurs: „Die Unterhaltskosten sind niedrig. Ich verursache einen geringen CO2-Ausstoß und trage damit etwas zur Sicherung der Zukunft meiner Kinder bei. Es ist schön, in einem solchen Gebäude zu wohnen.“




Quelle: http://www.bauemotion.de


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geschrieben am 29.06.2009 um 11:00 Uhr.


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