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Pilotprojekt: Aus Stroh wird Benzin gemacht

Biokraftstoffe der zweiten Generation

Pilotprojekt: Aus Stroh wird Benzin gemacht Karlsruhe (AP) - Dass man Stroh zu Gold spinnen kann, Wird wohl auf alle Zeiten ins Reich der Märchen gehören. Aus Stroh Benzin zu machen, 'Klingt zwar ebenfalls märchenhaft, ist aber bereits Realität. Im Forschungszentrum Karlsruhe (FZK) läuft ein Pilotprojekt, bei dem aus Stroh in einem mehrstufigen Verfahren vollsynthetischer Diesel- oder Ottokraftstoff hergestellt wird. Das Gleiche ist auch mit anderen land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen wie Heu, Baumschnitt, Restholz oder Rinde, aber auch Papier und Pappe möglich. Laut Experten soll im Jahr 2015 solcher Kraftstoff aus den Zapfsäulen der Tankstellen fließen.

Ende 2005 begann mit Förderung durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) auf dem FZK-Gelände der Bau einer Pilotanlage zur Herstellung hochwertiger Synthesekraftstoffe. Am 20. Juni 2007 wurde die Anlage für den ersten mehrerer Schritte eingeweiht. Dort wird nun die erste Stufe des mehrstufigen "bioliq"-Verfahreiis durchgeführt. , Dabei wird mit der Schnellpyrolyse aus trockener Biomasse - in diesem Fall Stroh - Flüssigkeit und Koks erzeugt, das sogenannte Pyrolyseöl und PyroIvsekoks. Koks und Öl werden darin zu dem Konzentrat "Sltirrv" vermischt.

In weiteren Schritten - Synthesegaserzeugung, Gasreiniung und Kraftstoffsynthese -,arm der Slurry zu Kraftstoff !erarbeitet werden. Alle diese Schritte sollen in den kommenden Jahren auch in der Anlage des FZK ablaufen.

Das mehrstufige "bioliq"-Verfahren soll später sowohl in kleineren. dezentralen als auch größeren zentralen Anlagen ablaufen, erklärt FZK-Projektleiter Nicolaus Dahmen. Tür die zentrale Herstellung in großen Mengen braucht man eine große Anlage." Der Ausgangsstoff sei aber weiträumig verstreut und habe nur eine sehr geringe Energiedichte, so dass er wirtschaftlich nur über kurze Distanzen transportiert werden könne. "Deswegen wird der Grundstoff in einem kleineren Radius von etwa 25 Kilometer um dezentrale Anlagen herum eingesammelt und dann in diesen Anlagen zu einem Zwischenprodukt verarbeitet, dem Slurry". Der Slurry hat eine wesentlich höhere Energiedichte und kann deshalb problemlos über große Strecken zu einer zentralen Anlage transportiert werden, in der er zu synthetischem Kraftstoff verarbeitet wird.

"Man kann durch die Synthese bestimmen, welche Art von Kraftstoff es wird - Diesel oder Ottokraftstoff", erläutert Dahmen. Als Ausgangsprodukt für den Biokraftstoff eignen sich viele Stoffe, wie der Leiter des Instituts für Technische Chemie des FZK, Eckhard Dinjus, erklärt. "Alles, was wächst und trocken genug ist, kann genutzt werden." Bei Stroh werden etwa 75 Prozent des Energiegehalts genutzt. Fünf bis sieben Kilo Stroh sind nötig, um einen Liter Diesel herzustellen. Den FZK-Experten zufolge könnte aus etwa 40 Schnellpyrolyseanlagen mit einer Kapazität von je 200 Millionen Tonnen pro Jahr Bioslurry für die Verarbeitung in einer zentralen, Anlage mit einer Kapazität von einer Million Tonnen Kraftstoff hergestellt werden.

Bei einem Preis von 70 Euro pro Tonne für den Grundstoff würden die Herstellungskosten unter einem Euro ,je Kilogramm Kraftstoff liegen. Wegen der breiten Palette an Einsatzstoffen gehen Experten davon aus, dass die Biokraftstoffe der zweiten Generation - auch BtL-Kraftstoffe (Biomass-to-Liquid) genannt - ein Mengenpotenzial weit über dem der ersten Generation haben. Nach Angaben der FNR könnten bis 2015 schon 15 Prozent des Kraftstoffbedarfs für den Verkehr in Deutschland mit BtL-Kraftstoffen gedeckt werden.

Verschiedene Studien gehen davon aus, dass langfristig etwa 2,5 bis 5 Millionen Hektar Ackerfläche für den Energiepflanzenanbau genutzt werden können, ohne die Nahrungsmittelproduktion einzuschränken.


Quelle: Offenbach Post,10.11.2007, Seite 3



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geschrieben am 15.10.2008 um 09:00 Uhr.


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